Mehr als 1.000 Leichen gefunden

Tag 58 seit Kriegsbeginn: Im Osten des Landes wird in vielen Städten und Orten gekämpft. In Mariupol harren die Menschen im Stahlwerk weiter aus. Alle Informationen im Newsblog.

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Baerbock bereit zu “substanziellem Beitrag” bei Nato-Aufstockung im Osten

10.40 Uhr: Bundesaußenministerin Annalena Baerbock zeigt Bereitschaft, das Kontingent der Bundeswehr im Nato-Einsatz an der Ostflanke des Bündnisses massiv zu erhöhen. Sollte dies die Nato auf dem Gipfel im Sommer in Madrid beschließen, werde Deutschland dazu einen “substanziellen Beitrag” leisten, sagt Baerbock in Vilnius. “Es braucht nicht nur Lippenbekenntnisse in Madrid.”

Macron warnt vor neuem Eisernen Vorhang in Europa

10.15 Uhr: Die EU-Staaten dürfen nach den Worten des französischen Präsidenten Emmanuel Macron nicht zulassen, dass über Europa ein neuer Eiserner Vorhang fällt. Es sei wichtig, die unterschiedlichen Ansichten innerhalb der Europäischen Union zu Russland und zum Krieg in der Ukraine zu berücksichtigen, sagt Macron dem Hörfunksender France Inter.

Polizeichef aus Kiew: Seit russischem Abzug mehr als 1.000 Leichen gefunden

9.40 Uhr: Seit dem Abzug russischer Truppen vor mehr als drei Wochen sind im Gebiet Kiew nach Polizeiangaben bisher mehr als 1.000 Leichen gefunden worden. “Gerade beträgt die Zahl der Toten 1.084, die von Ermittlern untersucht und zur Gerichtsmedizin gebracht wurden”, sagte der Polizeichef der Region um die Hauptstadt Kiew, Andrij Njebytow, am Freitag im ukrainischen Fernsehen. Es handele sich um Zivilisten, die in keiner Beziehung zur Gebietsverteidigung oder anderen militärischen Verbindungen gestanden hätten.

“Der überwiegende Teil – von 50 bis 75 Prozent in Abhängigkeit vom Ort – sind Menschen, die mit Schusswaffen getötet wurden”, betonte Njebytow. Es seien Maschinen-, Scharfschützen- und Sturmgewehre eingesetzt worden, um die Menschen zu töten. Mehr als 300 Leichen konnten nach seinen Angaben noch nicht identifiziert werden.

Opposition: Sturz Putins ist westliche Wunschvorstellung

9.25 Uhr: Der russische Exil-Oppositionelle Leonid Wolkow hat einen möglichen Sturz von Kreml-Chef Wladimir Putin durch Massendemonstrationen gegen den Ukraine-Krieg als westliche Wunschvorstellung bezeichnet. “Die Vorstellung, man könne Putin mal eben durch ein paar große Protestmärsche hinwegfegen, ist naiv”, sagte der enge Vertraute des inhaftierten Kreml-Kritikers Alexej Nawalny dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Freitagsausgaben). Dennoch halte er eine Entmachtung Putins wegen der russischen Invasion im Nachbarland für wahrscheinlich – im inneren Kreml-Zirkel brodele es.

Vielen Russen sei nach den jüngsten Strafverschärfungen das Risiko zu groß, wegen einer Teilnahme an Demonstrationen in Haft zu kommen und ihren Job zu verlieren, sagte Wolkow. “Putins Entmachtung wird kommen, aber auf andere Weise.”

In Kreisen der politischen und ökonomischen Elite in Moskau gebe es eine enorme Unruhe, sagte Wolkow. Putins militärische Pläne in der Ukraine hätten sich als irreal entpuppt. Zugleich erleide Russland realen Schaden durch die vom Westen verhängten Wirtschaftssanktionen. “Diese beiden Faktoren addieren sich zu einem Druck auf Putin, der ihn früher oder später das Amt kosten wird, da bin ich sehr zuversichtlich”, sagte Wolkow.

Heute wohl keine Fluchtkorridore möglich

8.39 Uhr: An diesem Freitag sind nach Angaben der ukrainischen Regierung keine Fluchtkorridore möglich, über die sich die Zivilbevölkerung aus belagerten Städten in Sicherheit bringen könnte. Die Gefahr auf den Routen sei zu groß, erklärt die stellvertretende Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk auf Facebook. “An diejenigen, die darauf warten, in Sicherheit gebracht zu werden: Seid geduldig, bitte haltet durch.”

Massengrab nahe Mariupol: Bis zu 9.000 Tote vermutet

7.43 Uhr: Jüngste Satellitenbilder der US-Firma Maxar Technologies zeigen nach Unternehmensangaben “die Existenz einer Massengrabanlage im Nordwesten von Manhusch”, einem Dorf 20 Kilometer westlich von Mariupol. Mehr dazu lesen Sie hier.

Dieses Satellitenbild soll ein Massengrab parallel zum Straßenverlauf in Manhusch, etwa 20 Kilometer westlich von Mariupol, zeigen. (Quelle: Satellite image ©2022 Maxar Technologies/dpa)

Bericht: Kampfhandlungen im Osten verstärkt

7.32 Uhr: Im Osten der Ukraine haben sich Angaben aus Kiew zufolge die Gefechte an mehreren Orten intensiviert. Die russischen Einheiten hätten die Kämpfe entlang der gesamten Frontlinie in der Region Donezk verschärft, heißt es im Morgenbericht des ukrainischen Generalstabs am Freitag. Sie versuchten, eine Offensive in der Region Charkiw im Nordosten zu beginnen.

Russland führe zudem offensive Operationen bei der Siedlung Saritschne durch. Es versuche weiter, rund um die Stadt Rubischne in der Region Luhansk vorzustoßen. Gefechte dauerten auch um die Stadt Popasna an. Diese wird ukrainischen Angaben zufolge teilweise bereits von russischen Truppen kontrolliert.

Schwere Gefechte habe es zudem wie in den vergangenen Tagen um Marjinka gegeben. Russische Einheiten versuchten mit Unterstützung von Artillerie, hier vorzustoßen. Angaben aus dem Kriegsgebiet können nicht unabhängig überprüft werden.

Ukraine: Massengräber sind Beweis für Kriegsverbrechen

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7.20 Uhr: Die ukrainischen Behörden gehen davon aus, dass die entdeckten Massengräber Beweise dafür liefern, dass Russland Kriegsverbrechen an Zivilisten begeht. Das berichtet BBC. Die Behauptung wird durch Fotos untermauert, die das US-Satellitenunternehmen Maxar Technologies gesammelt und analysiert hat. Sie zeigen offenbar mehr als 200 neue Gräber an einem Ort am nordwestlichen Rand von Manhush, einer Stadt etwa 19 Kilometer westlich von Mariupol.

Macron sieht bei Russland Willen zur Eskalation

6 Uhr: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron warnt vor einer weiteren Eskalation Russlands im Ukraine-Krieg. “Das Risiko ist sehr hoch. Der Test einer russischen Interkontinentalrakete am Mittwoch ist besorgniserregend”, sagte Macron den Zeitungen der Funke Mediengruppe laut Vorab-Bericht. “Angesichts der Kriegsverbrechen, die Russland begangen hat, der Art und Weise seiner Kriegsführung im Donbass und in Mariupol, der atomaren Provokationen Ende Februar muss man ganz klar sagen: Russland hat einen Willen zur Eskalation.”

Regierung: Drei Viertel aller Menschen haben Donezk-Region verlassen

5.15 Uhr: Nach ukrainischen Angaben haben mittlerweile fast drei Viertel aller Menschen den von der Ukraine kontrollierten Teil der umkämpften Region Donezk im Osten des Landes verlassen. Das sagte der Gouverneur der Region Donezk, Pawlo Kyrylenko, im ukrainischen Einheitsfernsehen, wie die Internet-Zeitung “Ukrajinska Prawda” am Freitagmorgen berichtete.

Demnach befänden sich noch rund 430.000 Einwohner in dem Gebiet. Vor Beginn des russischen Angriffskrieges am 24. Februar seien es noch mehr als 1,6 Millionen Menschen gewesen. In der nach Mariupol zweitgrößten Stadt unter ukrainischer Kontrolle in Donezk, Kramatorsk, lebten aktuell nur noch etwas mehr als 40.000 von den ursprünglich 200.000 Menschen.

Selenskyj: Russland will Referendum fälschen

5 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Moskau beschuldigt, in den von russischen Truppen besetzten Gebieten um Kherson und Saporischschja im Süden des Landes ein gefälschtes Unabhängigkeitsreferendum abhalten zu wollen. In einer Videobotschaft am Donnerstagabend forderte Selenskyj die Bewohner der besetzten Gebiete auf, keine persönlichen Daten wie Passnummern anzugeben, die die russischen Streitkräfte von ihnen verlangen würden.

Klingbeil stellt sich hinter Scholz

4.45 Uhr: Der SPD-Vorsitzende Lars Klingbeil hat Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) gegen den Vorwurf verteidigt, er sei bei den Waffenlieferungen an die Ukraine zu zögerlich. “Ich bin sehr froh darüber, dass wir einen Kanzler haben, der die Sachen durchdenkt und sich mit den internationalen Bündnispartnern eng abstimmt”, sagte der SPD-Chef der Deutschen Presse-Agentur. “Das erwarte ich von guter Führung: Keine Schnellschüsse, sondern durchdacht, entschieden und konsequent zu handeln und nicht jeden Tag die Meinung zu wechseln oder auf schöne Überschriften zu setzen.”

Deutschland exportiert für 1,51 Milliarden Euro

4.30 Uhr: Deutschland hat nach Angaben der Bundesregierung im vergangenen Jahr Kriegswaffen für 1,51 Milliarden Euro exportiert – der höchste Wert seit 2017. Mehr als 60 Prozent davon gingen in Staaten außerhalb der Nato, der Europäischen Union und vergleichbare Länder. Lieferungen in diese sogenannten Drittstaaten sind besonders umstritten, weil einige von ihnen wegen Menschenrechtsverletzungen in der Kritik stehen oder in regionale Konflikte verwickelt sind. Die zehn Hauptempfängerländer waren im vergangenen Jahr Ägypten, Israel, Katar, die Türkei, Großbritannien, Norwegen und die EU-Länder Italien, Niederlande, Lettland und Österreich.

Bund stellt Ukraine 37 Millionen Euro für Wiederaufbau bereit

3 Uhr: Die Bundesregierung will rund 37 Millionen Euro für den Wiederaufbau der Ukraine bereitstellen. Die Mittel sollen eingesetzt werden, um Schäden zu beheben, die durch den russischen Angriffskrieg in der Ukraine verursacht wurden. “Die Ukraine braucht dringend Wohnraum für die Millionen Binnenvertriebenen und sie braucht ein intaktes Stromnetz. Hier kann die deutsche Entwicklungszusammenarbeit kurzfristig helfen. Mein Ministerium hat hierfür Mittel per Sofortprogramm umgeschichtet”, sagte Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) vor der Weltbanktagung der “Augsburger Allgemeinen” (Freitag).

Kiew: In 11.550 Orten des Landes wird gekämpft

2 Uhr: Nach Angaben aus Kiew haben russische Truppen binnen 24 Stunden 42 Orte in der Region Donezk im Osten des Landes besetzt. Das teilte eine Beraterin des ukrainischen Präsidentenbüros, Olena Simonenko, im ukrainischen Einheitsfernsehen mit, wie die Agentur Unian berichtete. Insgesamt kontrollierten russische Einheiten aktuell in der gesamten Ukraine mehr als 3.500 Orte. Kampfhandlungen gebe es in 11.550 Orten des Landes, sagte Simonenko.

Am Donnerstag hieß es von ukrainischer Seite, dass mittlerweile 80 Prozent der ebenso an Russland grenzenden Nachbarregion von Donezk, Luhansk, unter russischer Kontrolle stünden.

Ein ukrainischer Soldat steht Wache (Symbolbild): In über 10.000 Orten wird im Land gekämpft, sagt die Regierung. (Quelle: Miguel Gutierrez/imago images)

Hofreiter warnt vor Ausweitung des Krieges

1.30 Uhr: Der Vorsitzende des Europa-Ausschusses, Anton Hofreiter, fürchtet eine Eskalation des Kriegs über die Ukraine hinaus, wenn Russland nicht Einhalt geboten wird. “Wir müssen uns aufgrund der verbrecherischen Kriegsführung Putins darauf einstellen, dass der Angriffskrieg Russlands noch Monate andauern wird”, sagt der Grünen-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. “Durch das Bremsen des Energie-Embargos und der nötigen Waffenlieferungen droht die Gefahr, dass sich dieser Krieg immer länger hinzieht und Putin weitere Länder überfallen wird.”

Hofreiter dringt erneut darauf, zügig schwere Waffen an die Ukraine zu liefern. “Das Problem ist, dass die Offensive Putins in der Ostukraine bereits begonnen hat. Eine Lieferung von westlichen neuen Waffen muss schnellstmöglich erfolgen, da das vorhandene sowjetische und alte russische Material in weiten Teilen bereits zerschossen ist.”

Joe Biden: Putin wird niemals die ganze Ukraine bekommen

1 Uhr: Der amerikanische Präsident Joe Biden hat auf Twitter eine Nachricht geschrieben, die missverständlich sein könnte: “Unsere Geschlossenheit zu Hause, unsere Geschlossenheit mit unseren Alliierten und Partnern und unsere Geschlossenheit mit den Menschen in der Ukraine sendet eine unmissverständliche Nachricht an Putin: Er wird niemals damit erfolgreich sein, die ganze Ukraine zu dominieren und zu besetzen.” Auf Twitter hagelte es kurze Zeit später Protest wegen der Einschränkung. Unklar ist, ob Biden damit Putin zumindest einen Teil der Ukraine zugesteht oder statt “die ganze” (Englisch “all of” vielleicht “irgendeinen Teil” (Englisch “any”) meinte.

Der Tweet blieb stehen, aber auf dem Präsidentenkonto stand später noch: “Während Russland weiterhin Brutalitäten gegen die Ukraine verübt, setzt Putin darauf, dass wir das Interesse verlieren. Er setzt darauf, dass die westliche Einheit zerbrechen wird. Wieder einmal werden wir ihm das Gegenteil beweisen.”

Bürgermeister vom Mariupol: Leben der Menschen liegt in Putins Händen

0.51 Uhr: Über das Schicksal der rund 100.000 eingeschlossenen Zivilisten in der Hafenstadt Mariupol entscheidet nach den Worten des Bürgermeisters allein der russische Präsident Wladimir Putin. “Es ist wichtig zu verstehen, dass das Leben der Menschen, die noch dort sind, in den Händen einer einzigen Person liegen – Wladimir Putin. Und alle Todesopfer, die noch hinzukommen, gehen auch auf sein Konto”, sagt Bürgermeister Wadym Bojtschenko.

Russland lehnt offenbar Feuerpause zu Ostern ab

0.50 Uhr: Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj hat Russland den Vorschlag einer Feuerpause über die orthodoxen Osterfeiertage abgelehnt. Das sagte Selenskyj in seiner allabendlichen Videobotschaft in der Nacht zum Freitag. Dies zeige, was der christliche Glaube und einer der fröhlichsten und wichtigsten Feiertage den Führern Russlands gelte, sagte Selenskyj weiter. “Wir werden aber trotzdem die Hoffnung behalten. Die Hoffnung auf Frieden, die Hoffnung darauf, dass das Leben über den Tod siegt”, sagte Selenskyj.

Ukrainische Soldaten bekommen Training an britischen Waffen

0.30 Uhr: Nach einem Bericht des britischen “The Guardian” werden derzeit ukrainische Soldaten an britischen Waffensystemen ausgebildet. Das Blatt zitiert Premierminister Boris Johnson mit den Worten “Ich kann sagen, dass wir Ukrainer in Polen in der Luftabwehr ausbilden, und in Großbritannien an gepanzerten Fahrzeugen.”

Die Regierung in London will 120 gepanzerte Fahrzeuge in die Ukraine liefern, darunter Mastiff-, Husky- and Wolfhound-Modelle, die als Truppentransporter dienen können. Die Ausbildung soll einige Wochen dauern.

Viele Tote nach Beschuss ukrainischer Städte

0.05 Uhr: Ukrainischen Angaben zufolge sind in verschiedenen Regionen im Osten und Süden des Landes mehrere Menschen durch Beschuss verletzt oder getötet worden. In der Region Charkiw seien zwei Personen getötet worden, nachdem ein Geschoss in ein Auto eingeschlagen war, teilte der Gouverneur Oleh Synjehubow am Donnerstagabend mit. Zwei weitere Personen seien bei zwei weiteren separaten Vorfällen verletzt worden. Insgesamt seien am Donnerstag in der Region Charkiw etwa 50 russische Angriffe durch Artillerie und Mehrfachraketenwerfer registriert worden, sagte Synjehubow. Aktive Gefechte gebe es nahe der Kleinstadt Isjum. Aus der südukrainischen Stadt Saporischschja hieß es, bei zweimaligem Beschuss der Stadt am Donnerstagmittag seien acht Personen verletzt worden.

Ein ukrainischer Soldat steht vor einem zerstörten Haus in Charkiw (Archivbild): Auch am Donnerstag gab es heftigen Beschuss auf die Stadt. (Quelle: Miguel Guiterrez/imago images)

Grüne fordern mehr Klarheit von Scholz

23.30 Uhr: Die sicherheitspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Sara Nanni, fordert Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) auf, sich in der Frage der Rüstungsexporte an die Ukraine deutlicher zu positionieren. “Wir brauchen Klarheit vom Bundeskanzler, was die Prioritäten sind und wie Entscheidungen fallen”, sagt Nanni dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Es müsse deutlich werden, ob wir alles liefern oder ob es Einschränkungen gibt. “Das würde sehr viel Vertrauen aufbauen.” Nannis Darstellung zufolge würden die Grünen auch einer Lieferung von Panzern aus Deutschland zustimmen.

US-Verteidigungsminister lädt zu Ukraine-Treffen in Ramstein 

22.23 Uhr: US-Verteidigungsminister Lloyd Austin will in der kommenden Woche auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz mit Kollegen aus mehreren Ländern zum Krieg in der Ukraine beraten. Das Treffen solle am kommenden Dienstag stattfinden, kündigte Pentagon-Sprecher John Kirby am Donnerstag an. Kirby nannte keine Details zur Teilnehmerliste. Es würden aber nicht nur Nato-Staaten eingeladen, sagte er.

Ein Ziel des Treffens sei die dauerhafte Sicherheit und Souveränität der Ukraine. Es solle daher um den Verteidigungsbedarf der Ukraine über den aktuellen Krieg hinaus gehen. “Wir denken, dass es an der Zeit ist, auch diese Diskussion zu führen”, sagte Kirby. Außerdem solle es um die weitere militärische Unterstützung der Ukraine gehen. Die US-Regierung hatte früher am Tag neue Militärhilfe in Höhe von 800 Millionen US-Dollar angekündigt.

Ukraine: Wieder kein Fluchtkorridor aus Mariupol 

22.20 Uhr: Für die weitgehend zerstörte und von russischen Truppen belagerte südostukrainische Hafenstadt Mariupol ist erneut kein Fluchtkorridor zustande gekommen. “Seitens der Russen läuft alles schwierig, chaotisch, langsam und natürlich unehrlich”, schrieb Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk am Donnerstag im Nachrichtenkanal Telegram.

Hoffnung gebe nur die Tatsache, dass am Vortag vier Busse aus Mariupol nach Berdjansk fahren konnten, meinte sie. Drei der Busse seien im Regierungsgebiet angelangt. Der Verbleib eines Busses sei unbekannt. Medienberichten zufolge kamen knapp 80 Menschen in Saporischschja an.

Ukraine: Russland hat 42 Dörfer in Donezk erorbert

21.48 Uhr: Die russische Armee hat nach ukrainische Angaben am Donnerstag 42 Dörfer in der Donezk-Region im Osten des Landes eingenommen. “Das ist heute geschehen und es könnte sein, dass unsere Streitkräfte sie morgen zurückerobern”, sagt ein Berater des Stabschefs von Präsident Wolodymyr Selenskyj im TV.

Selenskyj: Brauchen sieben Milliarden Dollar im Monat

21.35 Uhr: Wegen des russischen Angriffs benötigt die Ukraine laut Präsident Wolodymyr Selenskyj alleine als Ausgleich für wirtschaftliche Ausfälle monatlich sieben Milliarden Dollar Unterstützung. “Und wir werden hunderte Milliarden Dollar für den Wiederaufbau benötigen”, sagte Selenskyj in einer Videoschalte während eines Treffens des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Washington.

IWF-Chefin Kristalina Georgieva warb für Hilfen für die Ukraine “so weit wie möglich” in Form von Zuschüssen und nicht in Form von Krediten. Der Finanzbedarf und die Art und Weise, wie er gedeckt werden soll, müssten noch präziser ermittelt werden, sagte sie. Aber um zu verhindern, dass Kiew beträchtliche Schulden anhäuft, sollte die Unterstützung nicht als Kredit gewährt werden, sagte Georgieva.

USA: Ukraine hält weiterhin Teile von Mariupol 

21.20 Uhr: Die ukrainischen Streitkräfte kontrollieren nach US-Angaben offenbar weiter Teile der belagerten südlichen Stadt Mariupol. Die vom russischen Präsidenten Wladimir Putin und dessen Verteidigungsminister vorgetragene “Show für die Medien” dürfte einfach ein weiterer Fall von russischer Desinformation sein, sagt der Sprecher des US-Außenministeriums, Ned Price. Putin gratulierte bei einem im TV übertragenen Treffen mit Verteidigungsminister Sergej Schoigu dem russischen Militär zu einem “erfolgreichen Abschluss der Kämpfe zur Befreiung von Mariupol”.

Russland-Verbündeter Kirgistan warnt Bürger vor offener Unterstützung Russlands

21.06 Uhr: Die Behörden von Kirgistan haben ihre Bürger davor gewarnt, ihre Unterstützung für den russischen Krieg in der Ukraine offen zur Schau zu stellen. Die Verwendung des pro-russischen “Z”-Symbols bei Veranstaltungen zum anstehenden Gedenktag des Sieges über Nazi-Deutschland könne “Hass zwischen Volksgruppen schüren”, erklärte der Nationale Sicherheitsausschuss von Kirgistan am Donnerstag. Dies sei eine Straftat.

Das “Z”, mit dem die russische Armee in der Ukraine unter anderem Panzer und Fahrzeuge kennzeichnet, ist mittlerweile zu einem gängigen Symbol der Solidarisierung mit den russischen Truppen geworden. Die russischen Behörden fördern seine Verwendung.

Kirgistan ist ein enger Verbündeter Russlands und hat Moskau für seinen Angriff auf die Ukraine bislang nicht kritisiert. Auch wenn es dazu kaum verlässliche Daten gibt, scheint der russische Angriff in den mehrheitlich muslimischen ehemaligen Sowjetrepubliken in Zentralasien jedoch auf ein geteiltes Echo zu treffen.

Selenskyj: “Schaden, ähnlich wie im Zweiten Weltkrieg”

21.00 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat in einer Videoansprache vor dem portugiesischen Parlament die Zerstörungen in seinem Land durch russische Truppen mit denen im Zweiten Weltkrieg verglichen. “Der Schaden, der der Ukraine jetzt zugefügt wird, ist ähnlich wie im Zweiten Weltkrieg”, sagte er laut Übersetzung in der auf Ukrainisch gehaltenen Rede. Sie wurde im TV-Sender RTP simultan ins Portugiesische übersetzt.

“Wir kämpfen nicht nur um unsere Unabhängigkeit, wir kämpfen um unser Überleben”, bekräftige er in der 15-minütigen Ansprache. Selenskyj dankte den Portugiesen für die bisher erwiesene Hilfe, forderte aber zugleich weitere Unterstützung, vor allem schwere Waffen und Sanktionen gegen Russland. Parlamentarier der kommunistischen Partei und der rechtspopulistischen Chega blieben der Sitzung fern.

Selenskyj sprach vor dem portugiesischen Parlament: Der Parlamentspräsident, Augusto Santos Silva, sagte der Ukraine noch stärkere Unterstützung zu. (Quelle: Paulo Spranger/Global Images/imago images)

“Die Besatzer töteten nur zum Spaß, sie folterten, vergewaltigten, töteten diese Menschen und erschossen sie in Autos, in denen Kinder saßen”, sagte Selenskyj. In den 57 Tagen seit Beginn des Überfalls seien mehr als 1000 ukrainische Orte von russischen Truppen besetzt und zerstört worden. “Millionen Menschen müssen fliehen, es ist, als ob ganz Portugal das Land verlassen müsste”, sagte Selenskyj. Portugal hat 10,3 Millionen Einwohner.

Verteidigungsausschuss lädt Scholz zu Sitzung ein 

19.40 Uhr: In der Debatte über Waffenlieferungen an die Ukraine hat der Verteidigungsausschuss im Bundestag Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zu seiner nächsten Sitzung eingeladen. “Die Frage danach, welchen Beitrag Deutschland und insbesondere die Bundeswehr in Bezug auf Waffenlieferungen tatsächlich leisten kann, ist für die Menschen in der Ukraine existentiell”, schrieb die Ausschuss-Vorsitzende Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) in einem Brief an Scholz.

“Die Dramatik des Krieges in der Ukraine steigert sich von Tag zu Tag”, erklärte die FDP-Politikerin in dem Schreiben, das der Nachrichtenagentur AFP vorlag. Der Verteidigungsausschuss beschäftige sich seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs in jeder seiner Sitzungen mit der aktuellen Lage in der Ukraine und erörtere “auch den Stand des an die Ukraine abgegebenen sensitiven Materials”. Vor diesem Hintergrund lade sie Scholz zur Teilnahme an der Ausschuss-Sitzung am kommenden Mittwoch ein.

Selenskyj hält besetztes Mariupol nicht für komplett verloren

19.32 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hält die nach Kremlangaben nun von Russland kontrollierte Hafenstadt Mariupol noch nicht für komplett verloren. “Die Situation ist schwierig, die Situation ist schlecht”, sagte der Staatschef am Donnerstag Journalisten örtlichen Medien zufolge in Kiew. Es gebe mehrere Wege, die Stadt zu befreien.

Eine Frau sitzt auf einer Bank in Mariupol: “Die Situation ist schwierig, die Situation ist schlecht”, sagt Selenskyj. (Quelle: Alexander Ermochenko/Reuters)

“Es gibt einen militärischen Weg, auf den man sich vorbereiten muss, und wir bereiten uns vor”, sagte Selenskyj. Dazu brauche es die Hilfe westlicher Partner. “Für uns selbst ist es schwierig, wir brauchen entsprechende Waffen, doch denken wir darüber nach”, meinte er. Ein anderer Weg sei ein diplomatischer, humanitärer.

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte die Stadt für erobert erklärt und befohlen, von einem Sturm der Anlagen abzusehen. Einige haben erklärt, sie wollten nicht aufgeben und sich in russische Gefangenschaft ausliefern. Wie groß die Vorräte der Eingeschlossenen an Lebensmitteln und Munition sind, ist unklar.

Biden sagt Ukraine weitere Waffen im Wert von 800 Millionen Dollar zu

18.20 Uhr: Im Osten der Ukraine wird eine russische Großoffensive erwartet. Nun wollen die USA der ukrainischen Armee weitere Waffen liefern – darunter schwere Artillerie und zusätzliche taktische Drohnen. Hier lesen Sie mehr.

Insider: Putin “kann immer noch gewinnen” 

18.00 Uhr: Russland könnte westlichen Insidern zufolge immer noch den Krieg in der Ukraine gewinnen. Zwar habe Präsident Wladimir Putin eindeutig seine Vorkriegsziele verfehlt, sagt einer der Vertreter, der namentlich nicht genannt werden will. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Allerdings habe Russland einige der Probleme beseitigt, die am Anfang der Invasion bestanden hätten. “Er kann immer noch gewinnen.”

Satellitenbilder zeigen Massengrab bei Mariupol

17.50 Uhr: Satellitenbilder zeigen dem Betreiber Maxar zufolge ein Massengrab nahe der belagerten ukrainischen Stadt Mariupol. Das Feld sei in den vergangenen Wochen vergrößert worden und enthalte nun mehr als 200 neue Gräber, teilt das US-Unternehmen mit. Ein Vergleich von Bildern von Mitte März bis Mitte April deute darauf hin, dass die Vergrößerung zwischen dem 23. und 26. März begonnen habe. Das Massengrab liege in der Nähe eines existierenden Friedhofes in der Ortschaft Manhush 20 Kilometer westlich von Mariupol.

Dieses Satellitenbild soll ein Massengrab parallel zum Straßenverlauf in Manhusch, etwa 20 Kilometer westlich von Mariupol, zeigen. (Quelle: Satellite image ©2022 Maxar Technologies/dpa)

Litauen liefert schwere Mörser an die Ukraine 

17.45 Uhr: Die Ukraine hat aus Litauen schwere Mörser als Militärhilfe für den Krieg gegen Russland erhalten. Dies sagte der litauische Verteidigungsminister Arvydas Anusauskas am Donnerstag der Agentur BNS. Nähere Angaben dazu machte er nicht. Weiter habe Kiew aus den Beständen der Armee des EU- und Nato-Landes Stinger-Flugabwehrraketen, Panzerabwehr- und Flugabwehrwaffen, Munition, Granaten, Maschinengewehre und -pistolen und andere Ausrüstung  erhalten. “Es ist schwierig, alles aufzulisten. Vor einem Monat habe ich 35 Artikel verschiedener Art gezählt”, sagte Anusauskas.

Litauen hat nach eigenen Angaben seit Kriegsbeginn vor acht Wochen der Ukraine humanitäre, medizinische und militärische Hilfe bereitgestellt. Die Regierung in Vilnius hat wiederholt dazu aufgerufen, Kiew mit einer Vielzahl von Waffen zu beliefern.

Russland: neue Sanktionen auch gegen Harris und Zuckerberg

17.35 Uhr: Das russische Außenministerium gibt Sanktionen gegen 29 weitere US-Bürger bekannt. Darunter seien Vize-Präsidentin Kamala Harris sowie Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, heißt es in einer Erklärung. Sie dürften auf unbestimmte Zeit die Russische Föderation nicht betreten. Auch 61 Kanadier werden mit Strafmaßnahmen belegt.

Selenskyj schließt Moskau als Verhandlungsort aus 

16.40 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj schließt Moskau als Verhandlungsort für Friedensgespräche mit Russland aus. Für sein Land sei er bereit an jeden Ort auf dem Planeten zu reisen, sagt er der österreichischen Zeitung “Der Standard”. Ganz sicher aber nicht nach Moskau. “Das ist schlicht und einfach ausgeschlossen.” Mit anderen russischen Herrschern stelle sich die Frage aber neu.

Wolodymyr Selenskyj: Für Friedensverhandlung würde er fast überall hinreisen, sagte der ukrainische Präsident. (Quelle: Efrem Lukatsky/AP/dpa)

Spanien liefert weitere 200 Tonnen Militär-Material an die Ukraine 

15.53 Uhr: Spanien liefert der Ukraine weitere 200 Tonnen militärische Ausrüstung. “Ein Schiff der spanischen Marine, die ‘Isabel’, hat heute einen spanischen Hafen in Richtung Polen verlassen”, sagte der spanische Regierungschef Pedro Sánchez am Donnerstag bei einem Besuch in Kiew. An Bord seien 200 Tonnen “moderne Munition” und weiteres Material wie schwere Transportfahrzeuge.

“Das ist unsere größte Lieferung bisher”, sagte Sánchez weiter. Damit werde das gesamte bislang von Spanien gelieferte Material verdoppelt. In Kiew sollte Sánchez gemeinsam mit Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj treffen. 

UN: Mehr als 7,7 Millionen Binnenflüchtlinge in Ukraine

15.44 Uhr: In der Ukraine sind nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) seit Beginn des Krieges mehr als 7,7 Millionen Menschen vor den Kämpfen geflohen. Das seien 17 Prozent der Gesamtbevölkerung, teilt die zu den Vereinten Nationen (UN) gehörende Organisation mit. Allein in den ersten 17 Tagen dieses Monats seien mehr als 600.000 Menschen aus ihren Wohnorten geflohen.

Mindestens 60 Prozent der Binnenflüchtlinge sind demnach Frauen. Mehr als die Hälfte der Menschen, die innerhalb der Ukraine vertrieben wurden, beklagen einen Mangel an bestimmten Lebensmitteln. Ihr Land verlassen haben nach UN-Daten bislang mehr als fünf Millionen Menschen.

Estland: Russland begeht Kriegsverbrechen und Völkermord

15.43 Uhr: Im Beisein von mehreren ukrainischen Abgeordneten hat das estnische Parlament am Donnerstag einstimmig eine Entschließung verabschiedet, in der Russland Kriegsverbrechen und Völkermord am ukrainischen Volk vorgeworfen werden. Die Volksvertretung des EU- und Nato-Landes in Tallinn verweist darin auf die festgestellten “systematischen und massiven Kriegsverbrechen” der russischen Armee wie etwa Mord, Folter und Vergewaltigung von ukrainischen Zivilisten. “Diese Verbrechen werden von Russlands politischer und militärischer Führung und seinen nationalen Propagandabehörden ideologisch angestiftet”, hieß es in der Erklärung weiter. 

Die ukrainische Abgeordnete Olena Schuljak sprach von einem historisch bedeutsamen Beschluss für die Ukraine. “Die Einstufung des Verbrechens als solches führt zu einer unwiderruflichen Verurteilung. Das beginnt bei den Tätern und endet bei Wladimir Putin persönlich”, wurde die Vorsitzende der ukrainischen Präsidentenpartei “Diener des Volkes” in einer Parlamentsmitteilung zitiert. Demnach liege es in der gemeinsamen Verantwortung, alles zu tun, um den Völkermord zu stoppen und sicherzustellen, dass er sich nicht wiederholt.

USA sagen Ukraine neue Finanzhilfen zu 

15.35 Uhr: Die USA haben der Ukraine eine neue Finanzhilfe in Höhe von 500 Millionen Dollar (462 Millionen Euro) zugesagt. Mit dem Geld soll der ukrainischen Regierung unter anderem dabei geholfen werden, Gehälter und Renten auszuzahlen, wie ein Vertreter des US-Finanzministeriums am Donnerstag in Washington sagte. Das Geld ist auch für Programme bestimmt, die eine “Verschlechterung der humanitären Situation in der Ukraine” verhindern sollen.

Die Ankündigung erfolgte anlässlich eines Treffens von US-Finanzministerin Janet Yellen mit dem ukrainischen Regierungschef Denys Schmyhal und dem ukrainischen Finanzminister Serhij Martschenko in Washington. In der US-Hauptstadt finden derzeit die Frühjahrestagungen von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank statt, zu denen zahlreiche Regierungsvertreter aus aller Welt angereist sind.

Dänemark erhöht Militärhilfen für die Ukraine

15.30 Uhr: Dänemark stellt der Ukraine weitere Militärhilfe in Höhe von umgerechnet fast 83 Millionen Euro in Aussicht. Damit belaufe sich die Militärhilfe Dänemarks insgesamt auf 134 Millionen Euro, sagt Ministerpräsidentin Mette Frederiksen bei einem gemeinsamen Besuch mit dem spanischen Regierungschef Pedro Sanchez in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Außerdem unterstütze Dänemark weitere Sanktionen gegen Russland.

Sanchez kündigt an, Spanien werde den Internationalen Strafgerichtshof auffordern, mutmaßliche russische Kriegsverbrechen in der Ukraine zu untersuchen, und selbst ein Ermittlungsteam entsenden.

Sánchez und Frederiksen besuchen Borodjanka

15.02 Uhr: Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez hat sich bei einem gemeinsamen Besuch mit der dänischen Regierungschefin Mette Frederiksen in dem Kiewer Vorort Borodjanka erschüttert über die Lage vor Ort gezeigt. “Es macht betroffen, die Schrecken und die Gräueltaten von Putins Krieg auf den Straßen von Borodjanka zu sehen. Wir werden das ukrainische Volk nicht allein lassen”, schrieb er am Donnerstag auf Twitter. Anschließend trafen Sánchez und Frederiksen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zusammen.

Sánchez und Frederiksen (Mitte): Die Regierungschefs von Spanien und Dänemark besuchten den Kiewer Vorort. (Quelle: Moncloa/Borja Puig de la Bellacasa/Reuters)

In Borodjanka waren kurz zuvor nach ukrainischen Angaben zwei weitere Massengräber entdeckt worden. Einige von ihnen hätten Folterspuren aufgewiesen. Borodjanka gehört zu den am stärksten zerstörten Städten in der Hauptstadtregion. Aus der Stadt wurden Gräueltaten der mittlerweile abgezogenen russischen Einheiten gemeldet. Die Angaben konnten nicht unabhängig geprüft werden.

Frederiksen sprach vor dänischen Reportern von Kriegsverbrechen, die dokumentiert werden müssten. “Das sind auch sehr, sehr brutale Übergriffe gegen eine Zivilbevölkerung, die niemandem etwas getan hat und nur den Wunsch hat, ein friedliches Leben zu führen, wie wir anderen es tun.” Dem Sender TV2 sagte sie, Dänemark werde der Ukraine weitere Waffen liefern. Welche, das ließ sie zunächst offen.

Mariupols Bürgermeister: Zivilisten können Stahlwerk heute nicht verlassen 

14.51 Uhr: An diesem Donnerstag können nach Angaben des Bürgermeisters von Mariupol keine Zivilisten das belagerte Asowstal-Stahlwerk verlassen. In der Hafenstadt selbst warteten rund 200 Menschen darauf, sich in Sicherheit zu bringen, sagt Bürgermeister Wadym Bojtschenko. Es seien bis zum Nachmittag keine Busse angekommen.

Am Mittwoch seien 80 Menschen aus Mariupol herausgebracht worden. Ein kleiner Konvoi mit Zivilisten habe Mariupol verlassen und sei nun auf dem Weg nach Saporischschja, das unter ukrainischer Kontrolle ist. In Mariupol harrten noch immer mehr als 100.000 Menschen aus, sagt Bojtschenko.

Kiew: 19 Ukrainer bei Gefangenenaustausch mit Russland freigekommen

14.50 Uhr: Die Ukraine hat über einen weiteren Gefangenenaustausch mit Russland informiert. “Heute haben wir 19 Leute nach Hause geholt, von denen zehn Soldaten und neun Zivilisten sind”, teilte Vizeregierungschefin Iryna Wereschtschuk am Donnerstag in sozialen Netzwerken mit. Unter den heimgekehrten ukrainischen Gefangenen gebe es Verwundete. Angaben zum Übergabeort und den ausgetauschten russischen Gefangenen machte sie nicht. Von russischer Seite lag zunächst keine Bestätigung vor.

Russland wartet auf ukrainische Antwort auf Vorschlag zu Kriegsende 

14.43 Uhr: Russland erwartet nach der Übergabe eines neuen ausformulierten Vorschlags für eine Beendigung des Krieges eine Antwort von der Ukraine. Der ukrainischen Delegation sei der Entwurf eines möglichen künftigen Dokuments übergeben worden, betonte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Donnerstag der Agentur Interfax zufolge. Er zeigte sich zugleich erstaunt über Äußerungen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, der am Vortag erklärt hatte, nichts gehört und gesehen zu haben.

“Das wirft auch gewisse Fragen auf, warum man Präsident Selenskyj nicht über unsere Textfassungen informiert wird”, sagte Peskow. Er hatte Kiew zuletzt vorgeworfen, es an Einsatz bei den Verhandlungen fehlen zu lassen. “Wir warten weiter.”

Der Kremlsprecher machte zugleich deutlich, dass Russland von seinen Plänen in der Ukraine keinen Abstand nehme. “Die Spezialoperation verläuft weiter nach Plan. Mariupol, das ein Ort der Ansammlung nationalistischer Gruppierungen war, ist befreit”, sagte Peskow. Zuvor hatte Verteidigungsminister Sergej Schoigu Kremlchef Wladimir Putin darüber informiert, dass die Hafenstadt unter russischer Kontrolle sei.

Baerbock: “Werden den Druck auf die russische Kriegsmaschinerie weiter erhöhen”

14.40 Uhr: Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) hat weiteren massiven Druck auf Russland im Ukraine-Krieg angekündigt. Die EU werde “nicht nachlassen, bis Putins Waffen endlich schweigen und er seine Soldaten aus der Ukraine abzieht”, sagte Baerbock auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit ihrer estnischen Kollegin Eva-Maria Liimets am Donnerstag in Tallinn. Die Arbeiten an einem weiteren EU-Sanktionspaket liefen bereits.

“Wir werden den Druck auf die russische Kriegsmaschinerie weiter erhöhen und gleichzeitig alles dafür tun, um die Ukraine mit Waffen und Ausrüstung weiter zu unterstützen”, fügte sie hinzu. Die Europäische Union arbeitet derzeit an einer weiteren Verschärfung der Sanktionen gegen Russland.

Baerbock sprach sich bei ihrem Besuch in Tallinn auch für ein neues Sicherheitsverständnis in Europa aus. “Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine werden wir unsere Sicherheit in Europa neu denken und uns wehrhafter aufstellen müssen”, sagte sie. Die Bedrohung durch Russland sei “leider real”. Nähere Angaben machte sie nicht.

Bundesregierung vereinbart offenbar Ringtausch mit Slowenien für Panzer-Lieferung 

14.05 Uhr: Die Bundesregierung hat mit Slowenien einen sogenannten Ringtausch vereinbart, um schwere Waffen an die Ukraine zu liefern. Slowenien werde einige seiner T72-Panzer an die Ukraine abgeben, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag aus Regierungskreisen. Im Gegenzug erhält der EU-Partner Hilfe beim Ersatz von Deutschland. Hier lesen Sie mehr.

Ukraine: Russland will “Volksrepublik Cherson” gründen

13.33 Uhr: Russland bereitet nach ukrainischen Angaben ein Referendum über die Gründung einer “Volksrepublik Cherson” vor. Das erklärt ein Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mit Blick auf das umkämpfte Gebiet im Südosten des Landes. Die russische Führung würde damit dem Beispiel in den Regionen Luhansk und Donezk folgen.

In den von pro-russischen Separatisten kontrollierten Gebieten im Donbass waren im Mai 2014 Volksabstimmungen über ihre Selbstständigkeit abgehalten worden. Kurz vor Beginn des Krieges hatte Russland die beiden selbst ernannten Volksrepubliken als unabhängig anerkannt, was international auf Kritik stieß.

Ende März hat die “Volksrepublik Luhansk” erklärt, sie könne bald ein Referendum über einen Beitritt zur Russischen Föderation abhalten. Der Anführer der “Volksrepublik Donezk”, Denis Puschilin, erklärte ebenfalls, es solle ein Beitritt geprüft werden. Auch auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim, die an Cherson grenzt, wurde 2014 ein Referendum abgehalten, in dem sich die mehrheitlich russisch-stämmige Bevölkerung für den Anschluss an Russland aussprach. Auch dies ist international nicht anerkannt.

Morawiecki will mit Scholz über Waffenlieferungen an Ukraine sprechen

13.20 Uhr: Polens Regierungschef Mateusz Morawiecki will Kanzler Olaf Scholz (SPD) von der Notwendigkeit überzeugen, schwere Waffen an die Ukraine zu liefern. Er werde Scholz kontaktieren und ihm klarmachen, dass dies ein Wendepunkt in der Geschichte Europas und der Welt sei, sagte Morawiecki am Donnerstag in der Nähe von Warschau. Die Ukrainer brauchten etwas, womit sie sich verteidigen könnten. “Deshalb ist es notwendig, ihnen Munition und auch schweres Gerät zu geben. Hier ist die zweideutige Haltung Deutschlands sicherlich nicht hilfreich.” Er wolle mit Scholz reden, um diese Haltung zu ändern.

Mehr als tausend zivile Todesopfer in der Region Kiew

12.40 Uhr: In den Leichenhallen der Region Kiew befinden sich nach ukrainischen Angaben derzeit mehr als tausend zivile Todesopfer. “1.020 Leichen – ausschließlich Zivilisten – befinden sich in den Gebieten der Region Kiew”, sagte die stellvertretende ukrainische Regierungschefin, Olga Stefanischyna, am Donnerstag bei einem Besuch der Stadt Borodjanka im Nordwesten von Kiew.

Dies seien alle bisher in der Region gefundenen zivilen Todesopfer. Sie seien seit dem 24. Februar, dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine, in den Wohnhäusern und auf den Straßen geborgen worden, sagte die Vize-Regierungschefin.

Kiew: Die 70-jährige Nadiya Trubchaninova weint am Sarg ihres 48-jährigen Sohnes Vadym, der am 30.03.2022 in Butscha durch einen Schuss der russischen Armee getötet wurde. (Quelle: Emilio Morenatti/dpa)

Die russischen Streitkräfte hatten sich Ende März aus der Region der Hauptstadt zurückgezogen. Die Führung in Kiew und westliche Staaten werfen Russland Kriegsverbrechen und Massaker an Zivilisten in Orten wie Borodjanka und Butscha vor. Die russische Seite bestreitet die Vorwürfe.

Russland: Gespräche mit der Ukraine gehen weiter

12.25 Uhr: Die Friedensgespräche zwischen Russland und der Ukraine gehen nach russischen Angaben weiter. Russland warte noch immer auf eine Antwort auf seine jüngsten Vorschläge in Zusammenhang mit den Beratungen, sagt Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow. Man sei verwundert über die Aussage des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, er habe die jüngsten Vorschläge nicht gesehen. Selenskyj hat am Mittwoch erklärt, er habe von einem Dokument, das die russische Führung an die Ukraine geschickt habe, weder etwas gesehen noch etwas gehört.

Russland schließt baltische Konsulate

12.16 Uhr: Russland schließt die Konsulate der baltischen Staaten und erklärt deren Beschäftigte zu unerwünschten Personen. Die Vertretungen Lettlands in St. Petersburg und Pskow würden geschlossen, teilt das Außenministerium in Moskau mit. Das estnische Konsulat in St. Petersburg und sein Büro in Pskow würden ebenso dichtgemacht wie das litauische Konsulat in St. Petersburg. Russland reagiert damit auf Schritte der baltischen Staaten im April. So hatten Lettland und Estland je zwei russische Konsulate wegen des Angriffs auf die Ukraine geschlossen. Litauen hatte den russischen Botschafter aufgefordert, das Land zu verlassen.

Auch Estland verbietet Kriegssymbol Z

11.56 Uhr: Auch in Estland ist die Verwendung des Z-Symbols in der Öffentlichkeit künftig verboten. Der Buchstabe wird von Befürwortern des russischen Angriffskriegs in der Ukraine genutzt und steht für “za pobedu” (“Für den Sieg”). Das Parlament in Tallinn beschloss am Donnerstag eine Gesetzesänderung, die die Verwendung von Symbolen untersagt, die Akte der Aggression durch ausländische Staaten unterstützen. Damit darf Angaben einer Parlamentssprecherin zufolge das oft auf russischen Militärfahrzeugen im Kriegsgebiet zu sehende Z-Symbol nicht mehr gezeigt werden. Das Gleiche gelte für das “V”, das für “sila v pravde” (“Die Kraft liegt in der Wahrheit”) steht.

Vergehen können in dem baltischen EU- und Nato-Land demnach mit Geldbußen von bis 1200 Euro oder Festnahme für Privatpersonen und bis 32.000 Euro für Unternehmen geahndet werden. Vor Estland hatten bereits die anderen beiden baltischen Staaten Lettland und Litauen die Darstellung der Symbole in der Öffentlichkeit verboten.

Mit einem weiteren Beschluss stellte das Parlament in Tallinn auch die Beteiligung an der militärischen Aggression unter Strafe – sie kann mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden.

Russland und Belarus wollen auf Stärkung der Nato-Ostflanke reagieren

11.08 Uhr: Russland und Belarus wollen auf die Verstärkung der Nato-Truppen an ihren Grenzen reagieren. Das sagt Alexej Polischtschuk, ein Diplomat im russischen Außenministerium, der Nachrichtenagentur Tass. Er verweist auf den Unionsstaat, also die Union von Russland und Belarus, sowie auf das von Russland geführte Militärbündnis OVKS (Organisation des Vertrages über kollektive Sicherheit). “Gemeinsam mit den belarussischen Verbündeten müssen wir auf die militärische Verstärkung der Nato-Streitkräfte an den Grenzen des Unionsstaates und der OVKS reagieren und die Schritte auf internationaler Ebene koordinieren.” Der OKVS (englisch CSTO) gehören neben Russland und Belarus auch Armenien, Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan an.

91-jährige Holocaust-Überlebende stirbt im Keller in Mariupol 

10.40 Uhr: Die 91-jährige Holocaust-Überlebende Vanda Semjonowna Obiedkowa ist in Mariupol getötet worden. Das berichten mehrere Medien ünbereinstimmend. Sie starb am 4. April, als sie sich in einem eiskalten Keller ohne Wasser, Heizung und Nahrung versteckt hatte. 

Obiedkowas Tochter Larissa sagte, ihre Mutter habe “einen solchen Tod nicht verdient”. Sie ist die zweite bekannte Holocaust-Überlebende, die in diesem Konflikt ums Leben gekommen ist. Während der Belagerung Mariupols würden die Menschen “wie die Tiere” leben, hätten kein Wasser, kein Strom, keine Heizung. “Jedes Mal, wenn eine Bombe fiel,” so Larissa, “bebte das ganze Gebäude. Meine Mutter sagte immer wieder, dass sie sich an so etwas während des Großen Vaterländischen Krieges [Zweiter Weltkrieg] nicht erinnern konnte”, sagte die Tochter. Obiedkowa sei zehn Jahre alt gewesen, als sie sich vor den Nazis versteckt hatte.

Vanda Semjonowna Obiedkowa: Die 91-Jährige starb offenbar in einem Keller in Mariupol, wo sie sich vor Luftangriffen des russischen Militärs versteckt hielt. (Quelle: chabad.org)

London: Russische Truppen rücken in Richtung Kramatorsk vor

10.04 Uhr: Nach Einschätzung britischer Geheimdienste rücken russische Truppen in der Ukraine derzeit von Stützpunkten im Donbass in Richtung Kramatorsk vor. Die ostukrainische Stadt leide unter anhaltenden Raketenangriffen, hieß es am Donnerstagmorgen in einem Update des britischen Verteidigungsministeriums. Russland versuche, mit zahlreichen Luftangriffen die ukrainischen Verteidigungssysteme zu zerstören.

Schon seit Wochen veröffentlicht die britische Regierung in ungewöhnlich offener Art und Weise regelmäßig Geheimdienstinformationen zum Verlauf des Angriffskrieges. Moskau wirft London eine gezielte Informationskampagne vor.

Regierungschefs von Spanien und Dänemark in Kiew eingetroffen

9.18 Uhr: Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez und seine dänische Kollegin Mette Frederiksen sind am Donnerstagmorgen in der ukrainischen Hauptstadt Kiew eingetroffen. Das teilte die spanische Regierung mit. Die beiden Regierungschefs wollten sich demnach zu Gesprächen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj treffen. Sánchez hatte am Mittwoch erklärt, er wolle Selenskyj den “uneingeschränkten Einsatz der Europäischen Union” und Spaniens “für den Frieden” übermitteln.

Bericht: Schoigu gibt Eroberung Mariupols bekannt

9.15 Uhr: Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu erklärt der Nachrichtenagentur Interfax zufolge, Russland habe die ukrainische Hafenstadt Mariupol eingenommen. In dem Stahlwerk Asowstal befänden sich aber immer noch mehr als 2.000 ukrainische Soldaten, informiert Schoigu den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Mehr dazu lesen Sie hier.

Italien will Abhängigkeit von russischem Gas bis 2023 beenden

8.47 Uhr: Italien will sich einem Medienbericht zufolge bis Ende 2023 so gut wie unabhängig von russischem Gas machen. Die Regierung gehe davon aus, dass Italien in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres fast vollständig unabhängig von Gaslieferungen aus Russland sein könnte, sagt Umweltminister Roberto Cingolani der Tageszeitung “La Stampa”. Die Strategie der Regierung ziele darauf ab, einerseits die volle Kapazität bestehender Gaspipelines mit neuen Verträgen zu erreichen und andererseits die Kapazität Italiens mit Flüssiggas zu erhöhen. Derzeit bezieht Italien rund 40 Prozent seines Gasbedarfs aus Russland.

Kiew: Menschen aus Mariupol evakuiert

8.16 Uhr: Inmitten heftiger Kämpfe haben am Mittwoch vier Busse mit Zivilisten die belagerte ukrainische Hafenstadt Mariupol verlassen können. Nach Angaben der stellvertretenden Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk sollen die Evakuierungen am Donnerstag fortgesetzt werden. Die strategisch wichtige Stadt am Asowschen Meer steht nach fast zwei monatiger Belagerung kurz davor, endgültig unter russische Kontrolle zu fallen.

Russische Truppen vernichten offenbar Proviantlager

8.06 Uhr: Russische Angriffe haben in der Nacht nach Angaben der Gebietsverwaltung in mehreren Städten des ostukrainischen Gebiets Luhansk schwere Schäden hinterlassen. “In Sjewjerodonezk ist nicht ein einziges heiles Proviantlager übrig geblieben”, teilte der Gouverneur von Luhansk, Serhij Hadjdaj, am Donnerstag auf dem Facebook-Kanal der Gebietsverwaltung mit. Die Einwohner könnten nur noch mit humanitären Hilfslieferungen versorgt werden.

Zudem seien mehrere Häuser in den Städten Rubischne und Nowodruschesk zerstört worden, teilte Hajdaj weiter mit. Beide Städte gelten als schwer umkämpft. Prorussische Separatisten meldeten jüngst die Einnahme von Rubischne. Ukrainische Stellen bestätigen zumindest eine teilweise Eroberung der Stadt durch russische Einheiten. Unabhängig konnten die Berichte nicht überprüft werden.

Johnson: “Wie kannst du mit einem Krokodil verhandeln, wenn es dein Bein im Maul hat?”

8 Uhr: Kurz vor seinem Treffen mit dem indischen Premierminister äußerte sich Boris Johnson zur Lage in der Ukraine. Der britische Premierminister bezweifelte, dass die Verhandlungen zwischen Kiew und Moskau zum Erfolg führen würden. “Ich verstehe wirklich nicht, wie die Ukrainer sich einfach hinsetzen und zu einer Art Übereinkunft kommen können”, sagte Johnson, wie der “Guardian” berichtet. Und: “Wie kannst du mit einem Krokodil verhandeln, wenn es dein Bein im Maul hat?”

Dem russischen Präsidenten Wladimir Putin mangele es offensichtlich an gutem Willen, kritisierte Johnson. Die Nato werde deshalb weiter Waffen an die Ukraine liefern, damit diese sich selbst verteidigen könne.

Boris Johnson: Der britische Premier ist auf dem Weg nach Indien. (Quelle: ZUMA Wire/imago images)

Biden will sich zum Ukraine-Krieg äußern

7 Uhr: US-Präsident Joe Biden will sich heute in einer Rede im Weißen Haus erneut zum Krieg in der Ukraine äußern. Dabei werde es voraussichtlich auch um die US-Bemühungen für eine weitere Unterstützung der Ukraine und Waffenlieferungen an die Ukraine gehen, hieß es in Regierungskreisen. Die Ansprache ist für 15.45 Uhr (09.45 Uhr Ortszeit) geplant.

Details zu deutschen Waffenlieferungen bekannt geworden

4.30 Uhr: Die Ukraine hat seit Kriegsbeginn von Deutschland gut 2.500 Luftabwehrraketen, 900 Panzerfäuste mit 3.000 Schuss Munition, 100 Maschinengewehre und 15 Bunkerfäuste mit 50 Raketen erhalten. Hinzu kommen 100.000 Handgranaten, 2.000 Minen, rund 5.300 Sprengladungen sowie mehr als 16 Millionen Schuss Munition verschiedener Kaliber für Handfeuerwaffen vom Sturmgewehr bis zum schweren Maschinengewehr, wie die Deutsche Presse-Agentur aus ukrainischen Regierungskreisen erfuhr. Nicht enthalten in der Liste sind schwere Waffen wie Panzer oder Artillerie. Mehr dazu lesen Sie hier.

Beschuss im Osten der Ukraine – Explosionen in Charkiw

3.30 Uhr: In der Nacht zum Donnerstag ist aus der Ukraine erneut Beschuss gemeldet worden. In der Großstadt Charkiw im Osten des Landes hätten nach Explosionen mindestens zwei Hochhäuser im nordöstlichen Bezirk Saltivka und mehrere geparkte Autos Feuer gefangen, berichtete die ukrainische Internetzeitung “Ukrajinska Prawda”.

In der Region Dnipropetrowsk seien die Nachbarorte Selenodolsk und Welyka Kostromka unter heftigen Beschuss geraten, teilte der Chef der lokalen Militärverwaltung, Olexander Wilkul, am frühen Donnerstagmorgen auf Facebook mit. Angaben zu genauen Zielen oder Schäden machte Wilkul nicht. In dem Gebiet befindet sich ein Wärmekraftwerk. Es gebe Probleme mit der Stromversorgung, weitere Folgen bringe man noch in Erfahrung, sagte Wilkul weiter.

Faeser will politisch Verfolgte aus Russland schützen

2.20 Uhr: Bundesinnenministerin Nancy Faeser will sich stärker für politisch Verfolgte aus Russland einsetzen. “Wir wollen alles dafür tun, damit diese Menschen, die Putins verbrecherischen Krieg ablehnen, in Deutschland sicher sind”, sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstag). “Besorgt” zeigte sich Faeser, die Zahl von Asylbewerbern aus Russland seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine nicht stark gestiegen ist. Das könne auch bedeuten, dass “Menschen, die vor Putins Politik fliehen müssen, es vielleicht nicht bis nach Deutschland schaffen”, sagte sie. Daher gehe es auch darum, “Wege zu finden, damit konkret bedrohte Menschen aus Russland in der EU Asyl beantragen können und hier auch arbeiten können”.

Weitere Massengräber entdeckt

1.55 Uhr: Im Kiewer Vorort Borodjanka sind nach ukrainischen Angaben zwei weitere Massengräber entdeckt worden. Darin hätten sich insgesamt neun Leichen von Zivilisten, Männer wie Frauen, befunden, teilte Andrij Nebitow von der Polizei der Region Kiew in der Nacht zum Donnerstag auf Facebook mit. Einige von ihnen hätten Folterspuren aufgewiesen, hieß es weiter.

Borodjanka gehört zu den am stärksten zerstörten Städten in der Hauptstadtregion. Aus der Stadt wurden Gräueltaten der mittlerweile abgezogenen russischen Einheiten gemeldet. Die Angaben konnten nicht unabhängig geprüft werden.

Luhansk wohl größtenteils unter russischer Kontrolle

1.20 Uhr: Ukrainischen Angaben zufolge ist rund acht Wochen nach Beginn des russischen Angriffskriegs der Großteil der Region Luhansk unter russischer Kontrolle. Nach dem Abzug der ukrainischen Truppen aus der Kleinstadt Krimenna kontrollierten russische Einheiten nun 80 Prozent des Gebietes Luhansk, teilte der Gouverneur von Luhansk, Serhij Hajdaj, am Mittwochabend auf Telegram mit. Auch die Städte Rubischne und Popasna in Luhansk seien mittlerweile “teilweise” unter russischer Kontrolle. Um diese gibt es seit Wochen intensive Kämpfe. Der Beschuss habe auch hier zugenommen, schreibt Hajdaj weiter. Zu Beginn des Krieges am 24. Februar hatten die Separatisten der “Volksrepublik” Luhansk rund 30 Prozent der Region unter ihrer Kontrolle.

Ein russischer Soldat steht vor einem Raketenwerfer (Archivbild): Die Region Luhansk soll mittlerweile größtenteils von Russland kontrolliert sein. (Quelle: Russian Defence Ministry/imago images)

Sicherheitsrat der Ukraine: Großoffensive hat noch nicht begonnen

1.15 Uhr: Dem Sekretär des ukrainischen Sicherheitsrates zufolge hat die Großoffensive Russlands in der Ukraine noch nicht begonnen. Am Dienstagmorgen hätten zwar Angriffe entlang der gesamten Frontlinie auf dem Territorium der Gebiete Donezk, Luhansk und Charkiw begonnen, sagte Olexij Danilow in einem Radiointerview, wie die ukrainische Internet-Zeitung “Ukrajinska Prawda” am Mittwochabend berichtete. Es sei aber wahrscheinlich, dass es sich dabei erst um “Probeangriffe” handle.

Tschetschenenführer sagt Einnahme Mariupols voraus

23 Uhr: Der Machthaber in der russischen Teilrepublik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, sagt die komplette Einnahme Mariupols für Donnerstag voraus. “Noch vor oder nach dem Mittagessen wird Asowstal vollständig unter der Kontrolle der Streitkräfte der Russischen Föderation stehen”, sagt er in einer Audiobotschaft mit Blick auf das Stahlwerk Asowstal, der letzten Bastion ukrainischer Einheiten in der weitgehend eroberten Stadt.

Der tschetschenische Führer Ramzan Kadyrow spricht in die Kamera (Archivbild): Seine Soldaten kämpfen in Mariupol. (Quelle: Taisiya Borshigova/imago images)

Selenskyj optimistischer wegen Waffenlieferungen

22.30 Uhr: Nach Tagen eindringlichen Bittens um mehr und schwere Waffen sieht der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mehr Verständnis bei Partnerländern der Ukraine aufkommen. Er könne mit “vorsichtigem Optimismus” sagen, dass die Partner Kiews “sich unserer Bedürfnisse bewusster geworden sind”, sagte Selenskyj in seiner allabendlichen Videobotschaft in der Nacht zum Donnerstag. Sie verstünden nun, welche Waffen die Ukraine brauche und dass sie diese nicht erst in ein paar Wochen, sondern jetzt brauche – nun, da Russland versuche, seine Angriffe zu verstärken.

Ukraine schlägt Verhandlungen mit Russland in belagertem Mariupol vor

22.07 Uhr: Angesichts der katastrophalen Lage im seit Wochen umkämpften Mariupol hat die Ukraine eine “besondere Verhandlungsrunde” mit russischen Vertretern in der strategisch wichtigen Hafenstadt im Süden des Landes vorgeschlagen. Es könnten Verhandlungen “ohne Vorbedingungen” stattfinden, schrieb der ukrainische Chefunterhändler und Präsidentschaftsberater Mychailo Podoljak am Mittwoch auf Twitter. Ziel sei es, die ukrainischen Kämpfer, Soldaten und Zivilisten zu retten.

Rauch über Mariupol: Die ukrainische Hafenstadt ist stark umkämpft. (Quelle: Alexander Ermochenko/Reuters)

Russischer Finanzminister: G20-Mitglieder sollten Gespräche nicht politisieren

21.33 Uhr: Der russische Finanzminister Anton Siluanow fordert die Gruppe der mächtigsten 20 Industrie- und Schwellenländer (G20) auf, die Gespräche in dem Gremium nicht zu politisieren. Er warnt vor dem Risiko, das Vertrauen in die internationale Geld- und Finanzpolitik zu untergraben, meldet die Nachrichtenagentur RIA. Nach Angaben des britischen Finanzministers Rishi Sunak hatten er und seine Kollegen aus den USA und Kanada die G20-Sitzung verlassen, als russische Vertreter zu Wort kamen.

Five-Eyes-Staaten warnen vor russischen Hackerangriffen

20.55 Uhr: Die Staaten der Five-Eyes-Geheimdienst-Allianz – die USA, Großbritannien, Australien, Kanada und Neuseeland – warnen in einer gemeinsamen Erklärung vor russischen Hackerangriffen auf die kritische Infrastruktur. “Neue Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die russische Regierung Optionen für etwaige Cyberangriffe prüft”, heißt es in einem Dokument auf der Website der Cybersecurity and Infrastructure Security Agency (CISA) der USA. Zudem hätten sich einige Hackergruppen öffentlich zur Unterstützung der russischen Regierung bekannt. Die Cyber-Abwehrbehörden der fünf Staaten rufen die zuständigen Stellen auf, geeignete Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

USA beschließen neue Sanktionen gegen Russland

20.24 Uhr: Die USA erlassen neue Sanktionen gegen Russland. Ziel sei die Handelsbank Transkapitalbank, heißt es auf der Webseite des Finanzministeriums. Auch der Oligarch Konstantin Malofejew sowie Dutzende weitere Personen seien betroffen. Zudem werde das Unternehmen Bitriver, das sich auf Krypto-Währungen spezialisiert hat, mit Strafmaßnahmen belegt.

Ukraine: Russen haben sich nicht an Pläne für Evakuierung aus Mariupol gehalten

20.05 Uhr: Die stellvertretende ukrainische Ministerpräsidentin Iryna Weretschschuk wirft dem russischen Militär vor, sich nicht an die für die Evakuierung von Zivilisten aus Mariupol vereinbarte Feuerpause gehalten zu haben. Zudem wären Busse der Russen nicht zu den vereinbarten Zeiten an den Übergabe-Stellen erschienen, an denen die Flüchtlinge in ukrainische Busse und Krankenwagen umsteigen sollten. Ukrainische Behörden gehen davon aus, dass sich rund Tausend Zivilisten auf dem Gelände des Stahlwerks Asowstal befinden, der letzten Bastion ukrainischer Einheiten in der Hafenstadt.

Jüdische Gemeinde: Holocaust-Überlebende stirbt in Mariupol

19.47 Uhr: In der schwer umkämpften südostukrainischen Hafenstadt Mariupol ist nach Angaben der jüdischen Gemeinde eine 91-jährige Überlebende des Holocaust gestorben. “Mit zehn Jahren überlebte Wanda Semjonowa Objedkowa die Deutschen, indem sie sich in einem Keller in Mariupol versteckte. 81 Jahre später starb sie in einem Keller in der gleichen Stadt, als sie sich infolge des fürchterlichen Kriegs vor den Russen versteckte”, teilte das Auschwitz Museum auf seinem Twitter-Kanal mit. Die Nachricht vom Tod der Frau wurde am Mittwoch in sozialen Netzwerken verbreitet.

Objedkowa ist demnach schon am 4. April gestorben. Ihre Tochter Larissa berichtete, sie und ihr Ehemann hätten die 91-Jährige anschließend in einem Stadtpark begraben müssen, während die Stadt bombardiert worden sei. Das Ehepaar konnte anschließend aus Mariupol fliehen. Viele Nachrichten aus der Stadt dringen mit Verspätung an die Öffentlichkeit, weil es dort kein Internet gibt und Gerettete erst an einem sicheren Ort wieder mit der Außenwelt kommunizieren können.

Pentagon korrigiert Angaben zu angeblicher Kampfjet-Lieferung

19.20 Uhr: Das US-Verteidigungsministerium hat Angaben zu einer angeblichen Lieferung von Kampfjets aus dem Ausland an die Ukraine korrigiert. “Ich habe mich getäuscht”, sagte Pentagon-Sprecher John Kirby am Mittwoch. “Sie haben nicht ganze Flugzeuge von einem anderen Land erhalten.” Vielmehr habe die Ukraine “Ersatzteile und zusätzliche Ausrüstung” erhalten und dadurch mehr eigene Kampfjets einsatzfähig machen können.

Er habe fälschlicherweise gedacht, dass das Angebot eines Landes, der Ukraine Kampfjets zu liefern, umgesetzt worden sei, sagte Kirby weiter. “Ich bedaure den Irrtum.” Der Sprecher von US-Verteidigungsminister Lloyd Austin hatte am Dienstag gesagt, die Ukraine habe zuletzt im Kampf gegen Russland aus dem Ausland “zusätzliche Flugzeuge und Flugzeugteile erhalten”. Nähere Angaben zu Herkunft und Bauart wollte er dabei nicht machen.

UN-Generalsekretär will nach Kiew und Moskau reisen

18.44 Uhr: UN-Generalsekretär António Guterres verstärkt seine diplomatischen Versuche, um eine Waffenruhe im Ukraine-Krieg zu erreichen. Guterres habe Briefe an die UN-Vertretungen Russlands und der Ukraine geschickt: “In diesen Briefen bat der Generalsekretär Präsident (Wladimir) Putin, ihn in Moskau zu empfangen, und Präsident Wolodymyr Selenskyj, ihn in Kiew zu empfangen”, sagte Sprecher Stephane Dujarric am Mittwoch in New York. Es müssten “dringende Schritte” zur Herstellung von Frieden in der Ukraine herbeigeführt werden.

António Guterres: Der UN-Generalsekretär will nach Kiew und Moskau reisen. (Quelle: Xinhua/imago images)

Melnyk fordert zeitlich begrenztes Gasembargo

18.16 Uhr: Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, fordert ein zeitlich begrenztes Gasembargo gegen Russland. “Man könnte doch sagen, wir machen ein Embargo für ein oder zwei Monate und schauen auf das Verhalten von Putin”, sagte Melnyk der “Stuttgarter Zeitung” und den “Stuttgarter Nachrichten” mit Blick auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Er sei “davon überzeugt, dass dies eine entscheidende Wirkung auf ihn ausüben wird und dazu beiträgt, diesen sinnlosen blutigen Krieg zu stoppen und nicht mit 32 Milliarden Euro Zahlungen pro Jahr zu verlängern”, sagte Melnyk mit Verweis auf Greenpeace-Berechnungen zu deutschen Energiekäufen aus Russland. Der Umweltorganisation zufolge könnte sich in diesem Jahr die Gesamtsumme für russisches Öl und Gas auf fast 32 Milliarden Euro erhöhen.

Selenskyj: Weiß nichts von russischem Dokument

18.01 Uhr: Dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj liegt nach eigenen Angaben kein russisches Dokument zu den Verhandlungen über ein Ende der Kämpfe vor. Er habe auch nicht davon gehört, sagt Selenskyj. Der russische Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow hat erklärt, seine Regierung warte auf eine Antwort der ukrainischen Seite zu dem überreichten Text. Er machte zudem die Ukraine für ein langsames Tempo bei den Gesprächen verantwortlich.

Evakuierungs-Busse brechen in Mariupol auf

17.55 Uhr: In der belagerten Stadt Mariupol sind mehrere Busse mit Zivilisten von einem ausgewiesenen Evakuierungspunkt aufgebrochen. Zwei Mitarbeiter der Nachrichten Reuters sahen zuvor, wie Dutzende Menschen einstiegen. Die Behörden der Küstenstadt haben erklärt, etwa 6.000 Menschen über einen Korridor herausbringen zu wollen.

Luftwaffe holt weitere kriegsverletzte Ukrainer nach Deutschland

17.31 Uhr: Die Luftwaffe bringt weitere kriegsverletzte Ukrainer zur Behandlung nach Deutschland. Dazu startete am Mittwoch ein Evakuierungsflug von Köln zum Flughafen der polnischen Stadt Rzeszow und war am späten Nachmittag auf dem Rückweg nach Hannover. Der Flug sei Amtshilfe für das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), teilte der Sanitätsdienst der Bundeswehr mit. Mit dem Spezialflugzeug A310 MedEvac wurden – wie schon Anfang vergangener Woche – Kinder und Erwachsene ausgeflogen, um in Deutschland schwerste Verletzungen besser medizinisch versorgen zu können.

Russland testet neue Interkontinental-Rakete

17.24 Uhr: Russland hat am Mittwoch eine neue ballistische Interkontinental-Rakete getestet. Anderswo gebe es nichts Vergleichbares, sagt Präsident Wladimir Putin. Sie werde jenen zu denken geben, die Russland zu bedrohen versuchten. Putin wurde im Fernsehen gezeigt, wie er über den Raketentest informiert wurde. Das Geschoss wurde demnach von Plesetsk in Nordwest Russland abgefeuert und traf Ziele auf der Kamtschatka-Halbinsel im Fernen Osten des Landes.

Rakete der russischen Armee (Symbolbild): Russland hat am Mittwoch eine neue ballistische Interkontinental-Rakete getestet. (Quelle: Vladimir Smirnov/ITAR-TASS/imago images)

Baerbock stellt baltischen Staaten weitere Militärhilfe in Aussicht

16.40 Uhr: Bundesaußenministerin Annalena Baerbock stellt den baltischen Republiken weitere militärische Unterstützung Deutschlands in Aussicht. “Wenn es mehr braucht, werden wir auch hier im Baltikum mehr tun”, sagt Baerbock in Riga nach Beratungen mit den drei Ressortchefs Estlands, Lettlands und Litauens. An der Ostflanke der Nato werde nicht nur die Sicherheit des Baltikums verteidigt, sondern die Sicherheit ganz Europas. “Deutschland wird den Beitrag leisten, den es hier vor Ort braucht”, sagt Baerbock.

Waffenlieferungen: Grünen-Spitze verteidigt Kanzler Scholz

15.54 Uhr: Bei der Lieferung von Waffen an die Ukraine wird Deutschland nach Einschätzung der Grünen nicht abseits stehen. Die Kritik des Vorsitzenden des Europa-Ausschusses des Bundestags, Anton Hofreiter, der Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zuletzt als zögerlichen Zauderer bezeichnet hatte, machte sich die Parteispitze am Mittwoch nicht zu eigen. “Es ist gut, dass Bundeskanzler Scholz gestern nochmal deutlich gemacht hat: Die Unterstützung der Ukraine wird in enger Abstimmung mit unseren EU- und Nato-Partnern stattfinden, nicht als deutscher Sonderweg”, sagte der Grünen-Bundesvorsitzende Omid Nouripour der Deutschen Presse-Agentur. Dies gelte auch für die Lieferung von Waffen.

“Belgien, die Niederlande, Kanada und die USA haben bereits angekündigt, schwere Waffen zu liefern, und ich gehe davon aus, dass auch Deutschland zügig seinen Beitrag leisten wird”, sagte der Co-Parteivorsitzende. “Es braucht ein geschlossenes Vorgehen.”

Ukraine: 500.000 Menschen nach Russland verschleppt

15.05 Uhr: Russland hat nach Angaben eines führenden ukrainischen Abgeordneten rund 500.000 Menschen aus der Ukraine verschleppt. Mykyta Poturajew, der dem Ausschuss für humanitäre Fragen des Parlaments in Kiew vorsitzt, fordert das Rote Kreuz auf, mit diesen Menschen Kontakt aufzunehmen. “Eine halbe Million ukrainischer Bürgerinnen und Bürger sind aus der Ukraine in die Russische Föderation deportiert worden, ohne dass sie dem zugestimmt hätten”, sagt Poturajew vor dem Europäischen Parlament in einer Videoschaltung. Unglücklicherweise gebe es derzeit keine Möglichkeit, Kontakt zu ihnen herzustellen. Poturajew äußert sich besorgt über das Schicksal dieser Menschen.

Einer verletzten Frau in Mariupol kommen die Tränen (Archivbild): Nach Angaben der Ukraine wurden Hunderttausende Menschen nach Russland verschleppt. (Quelle: Maximilian Clarke/ZUMA Wire/imago images)

Bundesregierung: Keine Verzögerungen bei Militärhilfen für die Ukraine

Die Bundesregierung sieht trotz der Absage an die Lieferung schwerer Waffen aus Bundeswehrbeständen keine Verzögerungen bei der militärischen Unterstützung der Ukraine. “Es läuft ein regelmäßiger, kontinuierlicher Strom an Waffen, an Munition, an Ausrüstung in Richtung der Ukraine, und dieser Strom soll nicht abreißen”, sagte Regierungssprecher Steffen Hebestreit am Mittwoch. Der Grünen-Europapolitiker Anton Hofreiter hatte gewarnt, es drohe wegen der deutschen Zurückhaltung eine weltkriegsartige Ausweitung des Konflikts. Mehr dazu lesen Sie hier.

Esken und Melnyk vereinbaren Stillschweigen über Treffen

14.08 Uhr: Die SPD-Co-Vorsitzende Saksia Esken und der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk haben sich am Mittwoch zu einem rund einstündigen Gespräch getroffen. Aus Teilnehmerkreisen heißt es danach nur, dass Vertraulichkeit vereinbart worden sei, es aber ein “angenehmes und zugewandtes” Gespräch gewesen sei. Man wolle weiter im guten Austausch bleiben. Melnyk hatte der SPD zuvor zu große Russland-Nähe und der Bundesregierung eine zu zögerliche Haltung etwa bei Waffenlieferungen an sein Land vorgeworfen.

Selenskyj-Berater – Russischer Vormarsch auf Slowjansk gestoppt

13.45 Uhr: Ukrainische Truppen haben nach Angaben eines Beraters von Präsident Wolodymyr Selenskyj den Vormarsch russischer Truppen auf die Stadt Slowjansk gestoppt. Die russischen Einheiten seien aus der nordöstlich gelegenen Stadt Isjum gekommen, erklärt Berater Olexij Arestowytsch in einer Videoansprache.

“Sie haben ihre Kräfte dort konzentriert. Dort versuchen sie voranzukommen, aber bisher gelingt es ihnen nicht.” In der eingekesselten Hafenstadt Mariupol hielten ukrainische Soldaten trotz anhaltender Angriffe auf das Stahlwerk Asowstal aus, sagt Arestowytsch weiter.

Mehr als fünf Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen

12.59 Uhr: Die Zahl der Flüchtlinge aus der Ukraine seit Beginn des russischen Angriffskrieges am 24. Februar hat die Marke von fünf Millionen überschritten. Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) in Genf nannte am Mittwoch rund fünf Millionen Menschen, die die Grenzen in die Nachbarländer überquert haben. 2,8 Millionen davon flüchteten zuerst nach Polen. Eine hochrangige UNHCR-Vertreterin hatte die Zahl von fünf Millionen Flüchtlingen bereits am Dienstag bei einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats in New York genannt.

Unter den Geflüchteten waren nach Angaben der UN-Organisation für Migration (IOM) mehr als 215.000 Ausländer. Nach UNHCR-Angaben haben in den vergangenen fast acht Wochen auch etwa 550.000 Menschen aus der Ukraine die Grenzen nach Russland überquert.

Schon Anfang April waren nach IOM-Angaben mehr als sieben Millionen Menschen innerhalb der Ukraine durch Bomben- und Raketenangriffe vertrieben worden und auf der Flucht. Die Ukraine hatte vor dem Krieg etwa 44 Millionen Einwohner.

Russischer Parlamentschef will von Europa Kompensation für Sanktionen

11.31 Uhr: Der Chef des russischen Parlaments, Wjatscheslaw Wolodin, hat wegen der westlichen Sanktionen nach dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine Schadenersatzforderungen an Europa angekündigt. Die Sanktionen gegen Russland seien illegal. “Wir kommen noch auf das Thema zurück und rechnen den Schaden aus, den Ihr unserer Wirtschaft zugefügt habt. Den müsst Ihr in jedem Fall ersetzen”, drohte er am Mittwoch den Europäern auf seinem Telegram-Kanal. Seine Forderungen stellte er im Zusammenhang mit der von Moskau verlangten Umstellung der Gaszahlungen auf die russische Landeswährung Rubel.

Die europäischen Länder kritisierte Wolodin dabei als unzuverlässige Partner. “Ständig raubt Ihr Gasvorräte und stehlt so faktisch Geld aus unserem Haushalt und damit von unseren Bürgern”, warf er dem Westen vor. Die Suche der Europäer nach neuen Lieferanten werfe die langjährige Zusammenarbeit im Energiebereich ohnehin über den Haufen, sagte der Vorsitzende der Duma.

Russland sei bereit, seine Energielieferungen umzuleiten und habe sich schon an die neue Lage mit den Sanktionen angepasst. “Aber ob Eure Staaten, die es gewohnt sind, sorglos auf Kosten Russlands zu leben, bereit sind, wird die Zeit zeigen”, schrieb Wolodin. Der 58-Jährige zählt zu den Vertrauten von Russlands Präsident Wladimir Putin und gilt unter Kremlkritikern als einer der korruptesten Vertreter im russischen Machtapparat. Seit dem von Putin am 24. Februar befohlenen Krieg gegen die Ukraine hat sich Wolodin als Scharfmacher in der russischen Politik profiliert.

Norwegen überlässt Ukraine hundert Flugabwehrraketen französischer Bauart

11.15 Uhr: Norwegen hat der Ukraine hundert Flugabwehrraketen französischer Bauart überlassen. Die Regierung in Oslo teilte am Mittwoch mit, die Lieferung sei bereits erfolgt. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums handelt sich um hundert Mistral-Raketen, die bisher auf Schiffen der norwegischen Marine mitgeführt wurden.

Die Mistral ist eine Boden-Luft-Rakete mit sehr kurzer Reichweite, die seit Ende der 1980er-Jahre von dem Rüstungskonzern Matra gebaut wurde, der inzwischen mit dem europäischen Rüstungsriesen MBDA fusioniert ist.

Die Mistral werde in der norwegischen Armee außer Dienst gestellt, “aber sie bleibt eine moderne und effektive Waffe, die der Ukraine von großem Nutzen sein wird”, sagte der norwegische Verteidigungsminister Björn Arild Gram. “Auch andere Länder haben ähnliche Waffensysteme gespendet”, fügte er hinzu. Seit Beginn des russischen Einmarschs am 24. Februar hat Norwegen der Ukraine rund 4.000 Panzerabwehrwaffen des Typs M72 und andere Militärausrüstung zur Verfügung gestellt.

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