Selenskyj warnt vor russischer Massenvernichtungswaffe


Wladimir Putins verkündeter Plan zur Teilmobilisierung ist dafür ein sicheres Zeichen. So zumindest ist es die Lesart fast überall in New York: ein Zeichen der Schwäche. Auch hier kommen die Bilder protestierender Russen an. Auch hier liest man, dass russische Fluggesellschaften keine Tickets mehr an wehrfähige Männer ausstellen dürfen. Putin gehen offenbar die letzten verbliebenen Freiwilligen aus. Jetzt muss er sein Volk offenbar schon in seine propagierte “Spezialoperation”, in den Angriffskrieg gegen die Ukraine zwingen.

Selenskyj, Feldherr der Worte

Die Ukrainer haben etwas geschafft, das fast genauso wichtig ist, wie der Kampf gegen Russland. Es ist andauernde Aufmerksamkeit. Und Selenskyj findet die Worte dafür. “An der Ukraine wurde ein Verbrechen begangen, und wir fordern eine gerechte Bestrafung”, beginnt er seine Rede. Er beschreibt die Kriegsverbrechen, den Tod, die Folter und die Zerstörung, die “Russland mit seinem illegalen Krieg provoziert hat”. Selenskyj fordert ein Tribunal, er fordert, dass Russland das Veto-Recht im Sicherheitsrat entzogen werden müsse. “Russland sollte diesen Krieg mit dem, was besitzt, bezahlen”, sagt er.Detailliert beschreibt Selensky, wie russische Soldaten Ukrainer bei lebendigem Leib kastriert haben. “Wie können wir die russische Armee irgendwo auf ukrainischen Boden lassen, wenn wir wissen, dass sie überall solche Massenmorde begehen?”, fragt er rhetorisch. “Wir können es nicht. Wir müssen das Leben schützen. Die Welt muss das Leben schützen”, appelliert er an die Vertreter der in der UN institutionalisierten Welt.Untersuchung von Massengräbern in der Region von Kharkiv in der Ukraine.Vor einem Jahr hätte sich einen solchen Auftritt des ukrainischen Präsidenten kaum jemand vorstellen können. Wladimir Putin hätte ebenfalls hier sprechen können. Doch er hätte keinen Applaus bekommen. Außer vielleicht von seiner Delegation und den Vertretern der wenigen verbliebenen Staaten, die ausdrücklich zu ihm und seinen Taten stehen. Darunter Weißrussland, Nicaragua, Syrien oder Cuba.Und so wie es schon US-Präsident Joe Biden oder Bundeskanzler Olaf Scholz in ihren Reden versuchten, spricht Wolodymyr Selenskyj auch jene Länder an, die das russische Vorgehen zwar nicht offensiv bejahen, die sich aber neutral geben. “Wer von Neutralität spricht, meint etwas anderes”, sagt er und nennt keine Namen. “Sie geben vor, jemanden zu schützen, aber in Wirklichkeit schützen sie nur ihre persönlichen Interessen”, so Selenskyj.

Die große Sorge vor den Umfallern

Er weiß, dass sich während dieses Tages der russische Außenminister Sergej Lavrov mit Vertretern afrikanischer Staaten traf, um für Russland zu werben. Auch deshalb hatte der ukrainische Präsident zuvor schon per Video-Schalte am “Global Food Security Summit” teilgenommen. An Nebenveranstaltung der UN-Vollversammlung haben auch Joe Biden und Olaf Scholz teilgenommen, um über die in der Folge des Krieges immer drängendere Ernährungslage auf der Welt zu beraten. Der US-Präsident hatte da bereits angekündigt, die USA allein würden 2,9 Milliarden Dollar an Finanzhilfen bereitstellen, um der globalen Nahrungsmittelkrise zu begegnen. Es geht gegen den Hunger. Damit der Rückhalt jener Staaten nicht bröckelt, die Putins Krieg verurteilen.

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